Anna Netrebkos umstrittene Rückkehr an Berlins Staatsoper entzweit Publikum und Protestierende
Felicia BeyerAnna Netrebkos umstrittene Rückkehr an Berlins Staatsoper entzweit Publikum und Protestierende
Berlins Staatsoper eröffnete ihr Weihnachtsprogramm mit einer mutigen Neuinszenierung von Un ballo in maschera
Die Produktion stand im Zeichen der Sopranistin Anna Netrebko, deren Rückkehr in die deutsche Hauptstadt von anhaltenden Kontroversen begleitet wurde. Vor dem Opernhaus versammelten sich Protestierende, um gegen ihren Auftritt zu demonstrieren.
Die Premiere von Giuseppe Verdis Oper markierte Netrebkos ersten Auftritt in Berlin seit ihren letzten Auftritten in Russland Anfang 2022. Sie übernahm die Rolle der Amelia in einer Inszenierung von Rafael R. Villalobos, die Elemente der queeren Ballroom-Kultur und der AIDS-Krise einwebte. Die fast dreistündige Vorstellung wurde mit starkem Applaus bedacht, wobei Netrebko begeisterte Ovationen des Publikums erhielt.
Draußen skandierten etwa 50 Demonstranten unter ukrainischen Fahnen Parolen wie "Keine Bühne für Putin-Unterstützer" und "Russland ist ein Terrorstaat". Die Proteste spiegeln die anhaltende Kritik an Netrebko wider, der vorgeworfen wird, Verbindungen zu Russlands Präsident Wladimir Putin zu unterhalten – darunter eine Geburtstagsfeier im Kreml 2014. Zwar hat sie sich seitdem von Russland distanziert und ist nicht dorthin zurückgekehrt, doch einige Aktivisten und Kritiker stempeln sie weiterhin als Propagandistin ab.
In den letzten Jahren erlebte Netrebkos Karriere eine teilweise Rehabilitation. Nach weitreichenden Boykotten und Verurteilungen infolge des russischen Angriffs auf die Ukraine kehrte sie ab 2025/26 an große Häuser wie die Wiener Staatsoper und die Berliner Staatsoper zurück. Die Metropolitan Opera in New York verhängte jedoch 2023 ein dauerhaftes Auftrittsverbot gegen sie. 2024 versöhnte sich der Dirigent Waleri Gergijew öffentlich mit ihr während eines Konzerts, während Serge Dorny, der Direktor der Bayerischen Staatsoper, ihre Rückkehr 2025 trotz Protesten ukrainischer Künstler wie der Lyrikerin Ljubow Klymenko mit Verweis auf ihre künstlerische Qualität verteidigte.
Elisabeth Sobotka, Intendantin der Staatsoper, betonte, Netrebko habe seit Kriegsbeginn keinen Fuß mehr nach Russland gesetzt. Die Sopranistin, die sowohl die russische als auch die österreichische Staatsbürgerschaft besitzt, war bereits vor dem Konflikt in Berlin aufgetreten.
Der Erfolg der Produktion zeigte sich in den lang anhaltenden Ovationen für Ensemble und Orchester. Doch Netrebkos Auftreten bleibt umstritten – die Proteste unterstreichen die ungelöste Spannung zwischen künstlerischer Anerkennung und politischer Verantwortung. Die Entscheidung der Staatsoper, sie zu engagieren, wirft die anhaltende Debatte über Kulturschaffende mit umstrittenen Verbindungen zu geopolitischen Konflikten erneut auf.






