"Die Parabel der Säure": Ein radikal ehrliches Bühnenstück über fette Körper und gesellschaftliche Tabus
Hilde Koch"Die Parabel der Säure": Ein radikal ehrliches Bühnenstück über fette Körper und gesellschaftliche Tabus
„Die Parabel der Säure“ – ein radikal ehrliches Bühnenstück über fette Identitäten
Mit der mutigen Auseinandersetzung mit fetten Körperbildern sorgt die neue Produktion Die Parabel der Säure für Furore. Unter der Regie von Rébecca Chaillon werden Szenen aus der Castingshow The Biggest Loser nachgestellt, während sich das Stück gleichzeitig von Octavia Butlers Roman Parabel vom Sämann inspirieren lässt.
Die fast dreistündige Inszenierung kommt mit nur sieben Schauspieler:innen aus. Den Auftakt bildet eine Performerin, die dem Publikum Butter verteilt. Später entkleiden sich die Darsteller:innen, klettern über Berge von Butter auf der Bühne und entschuldigen sich für ihre Körper – die hier als aufrührerisch, als Tabubruch inszeniert werden.
Chaillon, die sich selbst als „schwarze, fette, kinderlose, alternde Lesbe“ beschreibt, hat das Stück um die Erfahrungen dicker Menschen herum aufgebaut. Eingewoben sind auch die Lebensgeschichten einer Popikone und einer Astrophysikerin, die wie die Regisseurin aus einem marginalisierten Vorort stammen. Der französische Originaltitel La Parabole du Seum spielt mit den mehrdeutigen Konnotationen des Wortes im Französischen.
Das Stück wirft einen schonungslosen, ungeschönten Blick auf gesellschaftliche Haltungen gegenüber Fettleibigkeit. Mit eindringlichen Bildern und persönlichen Erzählungen stellt es gängige Wahrnehmungen infrage. Das Publikum verlässt den Saal mit einer direkten, unvermittelten Konfrontation von Stigma und Identität.






