Europas Industrie warnt vor Kollaps durch steigende CO₂-Kosten und fehlende Infrastruktur
Maria-Luise KensyEuropas Industrie warnt vor Kollaps durch steigende CO₂-Kosten und fehlende Infrastruktur
Mehr als drei Dutzend große europäische Industrieunternehmen haben in einem Schreiben an die EU-Spitze dringendes Handeln im Rahmen des Emissionshandels gefordert. In dem von Konzernen wie ArcelorMittal, BP und BASF unterzeichneten Brief warnen sie vor steigenden Kosten und einer Schwächung der europäischen Industrie. Darin wird besonders auf den Mangel an notwendiger Infrastruktur für die industrielle Transformation hingewiesen – etwa bei Stromnetzen, Wasserstoffversorgung und CO₂-Transportnetzen.
Das EU-Klimapaket „Fit für 55“ hat bereits damit begonnen, die kostenlose Zuteilung von Verschmutzungsrechten für Industrieanlagen schrittweise abzuschaffen. Unternehmen müssen nun den Großteil der Zertifikate auf dem Markt erwerben, was die Kosten in die Höhe treibt, da die Emissionsreduktionen hinter dem schwindenden Angebot an kostenlosen Zertifikaten zurückbleiben. Zudem hat die EU den CO₂-Grenzausgleichsmechanismus (CBAM) eingeführt, um Wettbewerbsnachteile auszugleichen: Auf kohlenstoffintensive Importe werden Zölle erhoben, sofern das Exportland kein eigenes Emissionshandelssystem besitzt.
Die Unterzeichner argumentieren, das aktuelle System entspreche nicht mehr den globalen Realitäten. Europa handle allein, indem es seine Industrien mit rasant steigenden CO₂-Kosten belaste, ohne die nötige Infrastruktur bereitzustellen. Der Brief betont zwar, dass die Einnahmen aus dem Emissionshandel Klimamaßnahmen wie den Ausbau von Wasserstoffnetzen finanzieren – doch dies reiche nicht aus, um die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Industrie zu sichern.
Die Unternehmen fordern daher schnelle Maßnahmen, um die Kosten zu stabilisieren und den europäischen Industriestandort zu schützen. Ohne Kurskorrektur, warnen sie, drohe der aktuelle Ansatz die wirtschaftliche Basis des Kontinents zu untergraben. In dem Schreiben wird eine Neuausrichtung der Emissionsregeln im globalen Kontext gefordert.






