Florentina Holzingers Sancta kehrt mit feministischer Provokation nach Stuttgart zurück
Felicia BeyerFlorentina Holzingers Sancta kehrt mit feministischer Provokation nach Stuttgart zurück
Florentina Holzingers provokante Oper Sancta kehrt im Herbst an die Staatsoper Stuttgart zurück
Die Inszenierung, die die Rolle der Frau in der christlichen Geschichte neu interpretiert, sorgte bei ihrer Premiere für Aufsehen – damals mussten 18 Zuschauer:innen medizinisch versorgt werden. Die Dirigentin Marit Strindlund wird die Aufführungen leiten, nachdem sie vom Stuttgarter Opernintendanten Viktor Schoner eingeladen wurde.
Die Idee zu Sancta entstand, als Strindlund Holzingers Performance-Kunststück Ophelia's Got Talent in Berlin sah. Sofort faszinierte sie der mutige, inklusive Ansatz der Künstlerin – eine Haltung, die aufklärt, kritisiert, unterhält und Debatten anheizt. Holzingers Werk stellt traditionelle kirchliche Erzählungen infrage, indem es Frauen in den Mittelpunkt einer lange von Männern dominierten Geschichte rückt.
Für Strindlund bedeutete Sancta eine steile Lernkurve: Sie musste sich auf Holzingers unkonventionelle Methoden und die eindringliche Bildsprache einlassen. Der konfrontative Stil der Oper führte während der ersten Spielzeit sogar zu medizinischen Vorfällen. Doch die Dirigentin nahm die Herausforderung an und sieht darin eine Chance, Frauen in einer Geschichte Raum zu geben, aus der sie oft ausgeschlossen wurden.
Die Vorstellungen finden am 3., 4. und 5. Oktober statt, weitere Termine sind der 1. und 2. November – letztere sind bereits ausverkauft, für Oktober gibt es noch Karten.
Die Produktion ist auch eine symbolische Antwort auf Paul Hindemiths 1921 uraufgeführte Oper Sancta Susanna, die wegen angeblicher Blasphemie verboten wurde. Fast ein Jahrhundert später greift Holzingers Sancta die Themen Unterdrückung und Auflehnung in radikal neuer Form auf.
Sancta verbindet Oper, Performance-Kunst und feministische Kritik zu einem konfrontativen Erlebnis. Die Rückkehr nach Stuttgart bietet dem Publikum erneut die Gelegenheit, sich mit Holzingers kompromissloser Vision auseinanderzusetzen. Mit den noch verfügbaren Karten für Oktober setzt die Produktion weiterhin Maßstäbe – sowohl auf der Bühne als auch in den Diskussionen, die sie auslöst.






