21 March 2026, 08:21

HKW in Berlin: Warum ein Rap-Konzert die Kulturszene spaltet

Plakat für die Berliner Secession mit einer Frau in einem grünen Kleid und einem Mann in einem schwarzen Anzug, mit Textbeschreibung des Ereignisses.

HKW in Berlin: Warum ein Rap-Konzert die Kulturszene spaltet

Berlins Haus der Kulturen der Welt (HKW) steht erneut im Zentrum einer Kontroverse. Die Absage eines Konzerts des Rappers Chefket, Druck durch Kulturminister Wolfram Weimer und anhaltende Debatten über künstlerische Freiheit haben die Institution in die Kritik gerückt. Die Auseinandersetzungen spiegeln die Spannungen zwischen Politik, Kultur und Meinungsfreiheit in Deutschland wider.

Der aktuelle Streit begann, als dem schwäbischen Rapper Chefket, der vom Goethe-Institut als "Rap-Botschafter" bezeichnet wird, sein Auftritt im HKW gestrichen wurde. Die Absage folgte auf seine Entscheidung, zum Jahrestag eines Hamas-Angriffs ein T-Shirt mit der Aufschrift "Palästina" zu tragen – bedruckt mit arabischer Kalligrafie und einer Umrisskarte Israels. Nach der Intervention von Minister Weimer wurde die Veranstaltung abgesagt, was unter Künstlern Protest auslöste.

Als Reaktion verweigerten alle anderen deutschen Künstler, die im HKW auftreten sollten, aus Solidarität ihren Auftritt. Der Boykott vertiefte die Isolation der Institution, die nur wenige Meter vom Kanzleramt entfernt liegt. Kritiker werfen der Bundespolitik vor, das HKW trotz seiner prominenten Lage und kulturellen Bedeutung lange vernachlässigt zu haben.

Auch die Führung des Hauses steht in der Kritik. Bonaventure Soh Bejeng Ndikung, ein kuratorischer Leiter aus Kamerun, übernahm 2023 die Intendanz des HKW – und machte es damit zur ersten großen deutschen Kultureinrichtung, die vollständig von People of Color geleitet wird. Doch sein "postkoloniales" Programm stößt in Teilen des deutschen Kulturbetriebs auf Skepsis.

Unterdessen inszenierte der Satiriker Jan Böhmermann im HKW eine Ausstellung mit dem Titel "Die Möglichkeit des Unvernunfts". Ursprünglich als Aufmerksamkeit für die Institution gedacht, wurde das Projekt stattdessen dafür kritisiert, die Grenzen seiner üblichen TV-Arbeit zu überschreiten. Manche Beobachter fragten sich, ob ein TV-Comedian einen so komplexen kulturellen Raum überhaupt angemessen bespielen könne.

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Mittlerweile deutet Weimers Rückkehr in eine ZDF-Talkshow auf eine vorsichtige Normalisierung im deutschen Kulturbetrieb hin. Doch die Folgen von Chefkets Absage – und die damit verbundenen grundsätzlichen Debatten – bleiben ungelöst.

Die HKW-Kontroverse hinterlässt eine gespaltene Kulturszene. Während Künstler die Institution boykottieren und politische Einflussnahme die Programmgestaltung prägt, ist ihre zukünftige Ausrichtung ungewiss. Vorerst unterstreicht der Streit die Herausforderungen, künstlerische Freiheit, politischen Einfluss und öffentliche Wahrnehmung im deutschen Kulturbetrieb in Einklang zu bringen.

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