Junge Menschen verlieren dramatisch das Vertrauen in die Demokratie – was steckt dahinter?
Hilde KochJunge Menschen verlieren dramatisch das Vertrauen in die Demokratie – was steckt dahinter?
Eine neue Studie aus Nordrhein-Westfalen zeigt einen drastischen Rückgang der Zufriedenheit junger Menschen mit der Demokratie. Bei den 14- bis 18-Jährigen äußern nur noch 47 Prozent eine positive Haltung zu ihrer Funktionsweise – ein dramatischer Einbruch im Vergleich zu den Vorjahren. Die Ergebnisse belegen zudem einen besorgniserregenden Anstieg der Zustimmung zu undemokratischen Ideen unter Jugendlichen und jungen Erwachsenen.
Die aktuelle Untersuchung verdeutlicht einen deutlichen Wandel der Einstellungen seit 2021. Damals waren noch 77 Prozent der 14- bis 18-Jährigen mit der praktischen Umsetzung der Demokratie zufrieden. Bis 2025 ist dieser Wert um 30 Prozentpunkte auf nur noch 47 Prozent eingebrochen. Selbst in der Altersgruppe der 19- bis 29-Jährigen unterstützen nur noch 83 Prozent die Demokratie als Staatsform.
Die Studie unterteilt die Befragten in drei Gruppen: 44 Prozent sind überzeugte "Demokraten", 42 Prozent "fragile Demokraten" mit unsicheren Ansichten und 8 Prozent offen "Demokratiegegner". Fast die Hälfte der Teilnehmenden stimmte der Aussage zu, die Gesellschaft brauche "eine starke Einheitspartei", während 15 Prozent unter bestimmten Umständen sogar eine Diktatur für vorziehenswert hielten.
Expertinnen und Experten warnen, dass das schwindende Vertrauen in demokratische Prozesse junge Menschen anfälliger für Radikalisierung macht. Digitale Räume – soziale Medien, Chatgruppen und Gaming-Plattformen – setzen sie gezielt extremistischem Gedankengut aus. Traditioneller Schulunterricht zur politischen Bildung kommt gegen die emotionalen Manipulationstaktiken dieser Gruppen kaum an.
Bundesbildungsministerin Karin Prien zeigte sich besorgt über die Geschwindigkeit, mit der junge Menschen online mit Frauenfeindlichkeit, Gewalt und Extremismus konfrontiert werden. Dennoch wünschen sich 76 Prozent der befragten Jugendlichen, dass politische Themen im Unterricht stärker behandelt werden. Der Bericht betont, dass eine bessere politische Bildung die Resilienz gegen digitale Radikalisierung stärken könnte.
Die Studie zeichnet ein klares Bild wachsender Demokratieverdrossenheit unter jungen Menschen. Angesichts sinkender Zufriedenheitswerte und zunehmender Akzeptanz undemokratischer Ansichten unterstreichen die Ergebnisse den dringenden Bedarf an einer gestärkten politischen Bildung. Schulen und Politik stehen nun vor der Herausforderung, der Online-Radikalisierung entgegenzuwirken und gleichzeitig das Vertrauen in demokratische Werte zu festigen.






