06 April 2026, 16:22

Medienstreit: Warum Journalisten und PR-Teams nicht mehr miteinander sprechen

Ein Mann im Anzug spricht in ein Mikrofon und scheint eine Stellungnahme im Zusammenhang mit einem Regierungsgesetz abzugeben, das ein Internetverbot genehmigt.

Medienstreit: Warum Journalisten und PR-Teams nicht mehr miteinander sprechen

Journalisten und PR-Fachleute liegen im Clinch darüber, wie Informationen am besten ausgetauscht werden. Eine aktuelle Diskussion auf LinkedIn offenbart tiefe Frustration auf beiden Seiten. Viele Reporter erhalten kaum noch Antworten von Pressestellen, während PR-Teams Journalisten vorwerfen, direkte Anrufe zu meiden.

Den Anstoß gab ein Post von John Stanley Hunter auf LinkedIn: "Warum sprechen Pressesprecher nicht mehr mit der Presse?" Seine Frage löste Reaktionen von führenden Medienvertretern aus. Anette Dowideit, Chefredakteurin von Correctiv, erklärte, ihr Team benötige oft schriftliche Stellungnahmen – aus rechtlichen Gründen. Solche Dokumente dienten als Beleg und verhinderten spätere Zitatstreitigkeiten oder Missverständnisse.

Peter Ehrlich, Reporter bei der Süddeutschen Zeitung, sah das anders. Er bestand darauf, dass Journalisten nach wie vor die Mobilnummern von Pressesprechern bräuchten, um sie im Zweifel schnell zu erreichen. Marco Cabras, Mitgründer von newskontor, pflichtete ihm bei und fragte, warum Reporter selbst so oft per Telefon nicht erreichbar seien.

Von PR-Seite räumte Sachar Klein, "Chief Attention Officer" bei hypr, ein, dass Journalisten Anfragen häufig mit einem lapidaren "Schicken Sie es einfach per E-Mail" abtäten. Lutz Cleffmann, Geschäftsführer der ECCO Düsseldorf, zitierte eine Aussage über die Angst als Treiber unternehmerischer Vorsicht – und deutete an, dass Risikoaversion die Kommunikationskultur verändere. Michael Knauer, Reporter bei Automobilwoche, bestätigte, dass Pressesprecher seltener direkt sprächen – betonte aber, dass Vertrauen trotzdem den Zugang zu wertvollen Details eröffnen könne.

Jan Dams, Chefredakteur der Welt am Sonntag, erklärte, Anrufe bei Pressestellen seien mittlerweile wirkungslos. Thomas Holzamer, stellvertretender Chefredakteur von Finance Online, berichtete von eigenen Erfahrungen, bei denen PR-Teams Telefonate schlicht ignorierten.

Die Debatte zeigt: Die Kluft in den Medienbeziehungen wird größer. Journalisten fordern schnellen, direkten Zugang, während PR-Verantwortliche auf schriftliche Dokumentation und kontrollierte Botschaften setzen. Beide Seiten geben zu, dass das System nicht funktioniert – doch eine Lösung, die alle zufriedenstellt, ist nicht in Sicht.

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