10 June 2026, 16:25

Nadav Lapid zieht sich nach Boykott-Debatte vom Filmfestival Marseille zurück

Natalie Portman, Justine Triet und Jacques Audiard verteidigen den israelischen Regisseur Nadav Lapid: 'Der kulturelle Boykott ist ein intellektuelles Versagen'

Nadav Lapid zieht sich nach Boykott-Debatte vom Filmfestival Marseille zurück

Ein kultureller Boykott gegen den israelischen Regisseur Nadav Lapid hat in der Filmbranche eine breite Debatte ausgelöst. Der Streit begann mit seiner geplanten Rolle als Jurymitglied beim Internationalen Filmfestival FID Marseille. Seitdem haben über 350 prominente Persönlichkeiten, darunter Natalie Portman und Justine Triet, den Boykott in einem offenen Brief verurteilt.

Festivalleiterin Tsveta Dobreva hatte Lapid ursprünglich wegen seiner filmischen Leistungen eingeladen. Sein jüngster Film Yes wurde von Variety als scharfe Kritik am israelischen Nationalismus gelobt. Doch der Druck wuchs, als rund zehn Filmemacher:innen, darunter die franco-algerische Regisseurin Narimane Mari, ihre Werke aus dem Programm zurückzogen.

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Mari wies Vorwürfe der Zensur zurück und betonte, der Boykott richte sich gegen ein kulturelles und politisches System, nicht gegen eine Einzelperson. Lapid, ein lautstarker Kritiker der Regierung von Benjamin Netanjahu, lebt seit 2021 in selbstgewähltem Exil in Frankreich. Angesichts der eskalierenden Forderungen zog er sich schließlich vollständig vom Festival zurück.

Zwei Gastbeiträge in Le Monde verteidigten Lapid. Einer mit dem Titel Kino ist keine Botschaft argumentierte, der Boykott reduziere Künstler:innen unfair auf ihre Nationalität. Ein weiterer, unterzeichnet von Branchengrößen, bezeichnete die Bewegung als intellektuelles Versagen und forderte weiterhin den Dialog mit kritischen Stimmen wie der seinen. Die Auseinandersetzung offenbart tiefe Gräben zwischen künstlerischer Freiheit und politischer Äußerung. Lapids Rückzug und die öffentliche Empörung deuten auf wachsende Bedenken hin, wie Boykotte kulturelle Institutionen beeinflussen. Die Debatte hält die Filmcommunity weiterhin in Atem.

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