Osmanische Erzählkunst Meddah erlebt feministische Renaissance in Berlin
Hilde KochOsmanische Erzählkunst Meddah erlebt feministische Renaissance in Berlin
Eine traditionelle osmanische Erzählkunst findet in Berlin neue Stimme
Im Bavul Café in Kreuzberg brachte Neslihan Arol mit Meddah – einer uralten Theaterform – das jahrhundertealte Handwerk auf die Bühne, angereichert mit einem feministischen Akzent. Das Publikum belohnte ihre Darstellung, in der sie Humor, Politik und ausdrucksstarke Körpersprache vereinte, mit warmem Applaus.
Arols Auftritt bestach durch seine Energie und Vielseitigkeit. Mit übertriebenen, großzügigen Bewegungen wechselte sie zwischen Stimmen und Sprachen. Eine kleine Teelichtflamme flackerte während der gesamten Vorstellung – Symbol für die Menschlichkeit der Meddah-Geschichtenerzähler und die Geschichten selbst, die nur im Erzählen lebendig werden.
Die Figur des Clowns stand im Mittelpunkt ihres Spiels. Für Arol bietet das Clowneske Freiheit: Es erlaubt es Frauen, laut, grotesk und unperfekt zu sein – und gleichzeitig Machtverhältnisse bloßzulegen. Diese Perspektive speist sich aus ihrem akademischen Werdegang: Nach einem Studium der Chemieingenieurwissenschaften absolvierte sie einen Master in Schauspiel, wobei sie sich besonders mit Clowns aus feministischer Sicht beschäftigte.
Als die Vorstellung endete, blies sie die Kerze aus und verabschiedete sich vom Publikum. Mit dem Versprechen, bald mit neuen Geschichten zurückzukehren, verließ sie die Bühne – doch ihre lebendige Mischung aus Politik, Lachen und mehrsprachigem Storytelling blieb noch lange im Raum spürbar.
Die Aufführung verband alte Traditionen mit zeitgenössischen Themen. Arols feministische Interpretation des Meddah durchbrach Erwartungen, ohne den Geist dieser Kunstform zu verraten. Die Reaktion des Publikums zeigte: Ihr Ansatz – verspielt und doch mit Biss – hatte ins Schwarze getroffen.






