Pflege zu Hause kostet Familien oft mehr als Heimplätze – doch warum?
Felicia BeyerPflege zu Hause kostet Familien oft mehr als Heimplätze – doch warum?
Die meisten Menschen in Deutschland, die auf Langzeitpflege angewiesen sind, verlassen sich auf Unterstützung zu Hause – doch die Kosten für diese Option können die in stationären Einrichtungen bei Weitem übersteigen. Neue Zahlen zeigen eklatante Unterschiede bei den Eigenanteilen: Die häusliche Pflege belastet Familien oft deutlich stärker finanziell. Kritiker sprechen von einem "skandalösen Ungleichgewicht" und fordern Reformen.
Nach deutschem Recht können Pflegebedürftige zwischen stationären Einrichtungen, häuslicher Betreuung durch Angehörige oder Fachkräfte oder einer Kombination beider Modelle wählen. Die Mehrheit – 85,9 % – entscheidet sich für die Pflege zu Hause, wobei über die Hälfte (54,5 %) ausschließlich auf Familienmitglieder setzt. Diese pflegenden Angehörigen wenden im Schnitt 49 Stunden pro Woche auf, jeder Vierte leistet sogar mindestens 57 Stunden unbezahlt.
Trotz der klaren Präferenz für die häusliche Pflege variieren die Kosten enorm. Die monatlichen Eigenanteile für die Betreuung zu Hause liegen zwischen 340 und 7.441 Euro, der Median beträgt 2.085 Euro. Bei Schwerstpflegebedürftigen können die persönlichen Zuschüsse sogar über 7.000 Euro im Monat betragen. Zum Vergleich: Heimbewohner zahlen im ersten Jahr durchschnittlich über 3.200 Euro monatlich – mit regionalen Unterschieden. In Baden-Württemberg steigen die Kosten von voraussichtlich 2.907 Euro im Jahr 2024 auf 3.532 Euro bis 2026.
Der Bundesverband der Angehörigenpflege weist auf diese Ungerechtigkeit hin: Die häusliche Pflege werde systematisch benachteiligt, besonders bei hochgradigem Pflegebedarf. Obwohl nur 14,1 % der Pflegebedürftigen in Vollzeit in Heimen leben, ist die finanzielle Belastung für Familien, die sich für die Pflege zu Hause entscheiden, deutlich höher.
Die Kluft zwischen den Kosten für häusliche und stationäre Pflege hat Forderungen nach politischem Handeln ausgelöst. Da die meisten Pflegebedürftigen in den eigenen vier Wänden bleiben möchten, wächst der finanzielle Druck auf die Familien weiter. Das aktuelle System, so die Kritik, widerspreche dem gesetzlichen Grundsatz, wonach ambulante vor stationären Lösungen Vorrang haben soll.