Psychotherapeuten in NRW protestieren gegen drohende Honorarkürzungen und längere Wartezeiten
Stephen SchleichPsychotherapeuten in NRW protestieren gegen drohende Honorarkürzungen und längere Wartezeiten
Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten in Nordrhein-Westfalen (NRW) bereiten sich auf Proteste gegen geplante Honorarkürzungen vor, die für diesen Donnerstag angesetzt sind. Ab dem 1. April 2026 wollen die Krankenkassen die Erstattungssätze für Therapiesitzungen um 4,5 Prozent senken. Die Maßnahme löst Sorgen aus, dass sich der Zugang zu psychotherapeutischer Versorgung im Land weiter verschlechtern könnte.
Die Psychotherapeutenkammer NRW warnt, dass der finanzielle Druck immer mehr Therapeuten dazu zwingen werde, sich auf Privatpatienten zu konzentrieren. Dadurch drohe Versicherten der gesetzlichen Krankenkassen noch längere Wartezeiten. Bereits jetzt müssen Patientinnen und Patienten in NRW im Schnitt fünf Monate auf einen Ersttermin in der Psychotherapie warten.
Besonders prekär ist die Lage in ländlichen Regionen. Veraltete Planungsvorgaben aus den 1990er-Jahren haben in Deutschland zu einem Mangel von etwa 7.000 Kassensitzen geführt – den Zulassungen für Therapiepraxen, die mit den gesetzlichen Krankenkassen abrechnen dürfen. In Gebieten wie Rottweil in Baden-Württemberg betragen die Wartezeiten bis zu einem Jahr. Neue Zulassungen werden trotz steigender Nachfrage nur selten genehmigt.
Hinzu kommt, dass Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten in Deutschland ohnehin weniger verdienen als jede andere Fachärztgruppe. Die Übernahme eines Kassensitzes kann bis zu 50.000 Euro kosten, ohne dass es eine offizielle Preisregelung gibt. Gegen die Honorarkürzungen wird es in Köln, Düsseldorf, Dortmund, Essen und Bielefeld Demonstrationen geben.
Die geplanten Kürzungen bei den Erstattungssätzen drohen die Krise in der psychotherapeutischen Versorgung weiter zu verschärfen. Wenn noch weniger Therapeuten Kassenpatienten behandeln, könnten sich die Wartezeiten weiter verlängern. Die Organisatoren der Proteste argumentieren, dass das System ohne Gegenmaßnahmen den wachsenden Bedarf nicht mehr decken könne.






