RAW-Gelände in Berlin: Kultur vs. Investoren – wer gewinnt den Machtkampf?
Maria-Luise KensyRAW-Gelände in Berlin: Kultur vs. Investoren – wer gewinnt den Machtkampf?
Die Zukunft des Berliner RAW-Geländes steht auf dem Spiel – Grund ist ein Streit um die Entwicklungspläne. Das sieben Hektar große Areal, das heute als lebendiger Ort für Clubs, Bars und kulturelle Einrichtungen bekannt ist, könnte nach Forderungen der Kurth-Gruppe nach schnelleren Baugenehmigungen und der Ablehnung eines vorgeschlagenen Rahmenvertrags umgestaltet werden.
Das RAW-Gelände blickt auf eine bewegte Geschichte zurück. Ursprünglich als Reichsbahn-Ausbesserungswerk genutzt, wurde es später aufgegeben, bevor es sich zu einem pulsierenden Zentrum für Nachtleben und Kultur entwickelte. Heute beherbergt es Konzertlocations, einen Biergarten, eine Skatehalle, eine Boulderhalle, Lagerhallen mit restaurierten Möbeln sowie saisonale Märkte.
Der Konflikt entzündet sich zwischen der Kurth-Gruppe, dem Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg und dem Berliner Senat. Streitpunkte sind die Bebauungspläne, die Anzahl der zu errichtenden Wohnungen und der Erhalt der historischen Hallen. Die Kurth-Gruppe wirft der Stadt vor, vereinbarte Bedingungen einseitig geändert und neue Forderungen gestellt zu haben. Senat und Bezirk hingegen werfen dem Unternehmen vor, die soziokulturelle Szene des Geländes zu gefährden.
Die Proteste haben bereits begonnen. Dutzende versammelten sich vor den Büros der Kurth-Gruppe mit dem Slogan „RAW für alle – Cassiopeia & Co. müssen bleiben“. Einige Mieter, darunter der Club Cassiopeia, haben bereits Räumungsklagen erhalten – der Club könnte bereits nächste Woche zwangsgeräumt werden.
Die Auseinandersetzung bleibt vorerst ungelöst, beide Seiten zeigen sich unnachgiebig. Die kulturelle Vielfalt des RAW-Geländes und seine langfristige Zukunft stehen auf der Kippe. Die drohenden Räumungen verschärfen die Dringlichkeit der Lage.
