Skandal und Neuanfang: Die 61. Biennale Venedig startet unter "In Moll"
Maria-Luise KensySkandal und Neuanfang: Die 61. Biennale Venedig startet unter "In Moll"
Die 61. Biennale von Venedig hat ihre Tore für Besucher geöffnet und präsentiert Werke von 111 Künstlern aus 100 nationalen Pavillons. Die diesjährige Ausgabe steht unter dem Motto „In Moll“ und sorgte bereits Ende April für Schlagzeilen, als alle fünf Jurymitglieder zurücktraten. Ihr Rückzug führte zu Verzögerungen bei der Bekanntgabe der Goldenen Löwen und brachte ein neues öffentlichkeitsbasiertes Abstimmungssystem namens „Löwen der Besucher“ mit sich.
Die internationale Jury der Biennale hatte zunächst einen Boykott erklärt und sich geweigert, Pavillons von Ländern zu berücksichtigen, deren Führungspersonen wegen des Vorwurfs von Verbrechen gegen die Menschlichkeit vor dem Internationalen Strafgerichtshof stehen. Diese Entscheidung betraf direkt Israel und Russland und löste eine politische Debatte innerhalb der Veranstaltung aus. Alexandre Estrela, der Portugal mit seinem Projekt „RedSkyFalls“ im Palazzo Fondaco Marcello vertritt, sprach sich öffentlich gegen deren Teilnahme aus.
Der russische Pavillon zeigt „Der Baum hat seine Wurzeln im Himmel“, kuratiert von Anastasiia Karneeva mit Beiträgen von rund 40 Künstlern. Die israelische Ausstellung „Rose des Nichts“ wurde unter der Leitung von Michael Gov zusammen mit Avital Bar-Shay und Sorin Heller organisiert und präsentiert Werke des Künstlers Belu-Simion Fainaru. Beide Pavillons standen im Mittelpunkt des Boykotts.
Jenseits der Kontroversen umfasst die Biennale 31 Begleitveranstaltungen in ganz Venedig. Neben Portugal sind auch Brasilien und Osttimor vertreten und stehen für die lusophone Welt. Die Preisverleihung, die nun für den 22. November geplant ist, folgt dem neuen „Löwen der Besucher“-Format, das nach dem Rücktritt der Jury eingeführt wurde.
Die 61. Biennale von Venedig hat unter ungewöhnlichen Umständen begonnen: Das Preissystem wurde umgestaltet, und politische Spannungen prägen die Diskussionen. Während die traditionelle Jury durch eine öffentliche Abstimmung ersetzt wurde, sollen die verspäteten Gewinner des Goldenen Löwen erst Ende November bekannt gegeben werden.






