Wie der Ford-Streik 1973 die migrantischen Arbeitskämpfe in Deutschland prägte
Felicia BeyerWie der Ford-Streik 1973 die migrantischen Arbeitskämpfe in Deutschland prägte
Ein neues Buch wirft einen frischen Blick auf den Ford-Streik von 1973 – einen entscheidenden Moment in der Geschichte der migrantischen Arbeitskämpfe. Das Ereignis, das heute als Beginn der Selbstermächtigung von Migrant:innen gilt, erfährt im Rahmen antirassistischer Debatten wieder vermehrte Aufmerksamkeit. Das 2025 erschienene Werk untersucht die Auswirkungen des Streiks und sein Erbe in den heutigen Arbeitskämpfen.
Am 30. August 1973 traten migrantische Beschäftigte im Ford-Werk in Köln in den Streik, um gegen die schlechten Arbeitsbedingungen zu protestieren. Sie forderten eine zusätzliche D-Mark pro Stunde – die Bewegung wurde maßgeblich von migrantischen Arbeiter:innen getragen. Die Antwort von Polizei und Werksschutz bestand in brutaler Niederschlagung, während einige deutsche Kolleg:innen die Streikenden unter Polizeischutz angriffen. Zudem gab es Berichte über Schikanen durch Vorarbeiter und bestimmte deutsche Mitarbeiter.
Der unter dem Titel „Der Streik hat mir als jungem Menschen Kraft gegeben“ erschienene Band wurde von Nihat Öztürk, Nuria Cafaro, Bernd Hüttner und Florian Weis herausgegeben. Im Verlag Die Buchmacherei für 22 Euro veröffentlicht, dokumentiert er nicht nur den Ford-Streik, sondern auch andere von Migrant:innen geführte Aktionen des Jahres 1973, etwa bei Pierburg in Neuss oder Hella in Lippstadt. Zudem wird die Rolle des Betriebsrats und der IG Metall während des Ford-Streiks beleuchtet – mit unterschiedlichen Perspektiven auf deren Engagement.
Über die historische Aufarbeitung hinaus verbindet das Buch die Kämpfe von damals mit heutigen Arbeitsbewegungen. Es rückt aktuelle Themen migrantischer Lohnarbeit in den Fokus, darunter die Kämpfe von Fahrradkurier:innen, die sich von den Streiks von 1973 inspirieren lassen.
Der Ford-Streik von 1973 markierte einen Wendepunkt für die Arbeitsrechte von Migrant:innen in Deutschland. Mit der Veröffentlichung des Buches 2025 bleibt das Thema in den aktuellen Debatten um Selbstermächtigung und Antirassismus präsent. Es dient sowohl als Dokument vergangener Kämpfe als auch als Bezugspunkt für den heutigen Arbeitsaktivismus.






