Wiener Festwochen 2024: Triumphe, Flops und ein Drama der Extreme
Stephen SchleichWiener Festwochen 2024: Triumphe, Flops und ein Drama der Extreme
Die Wiener Festwochen boten in diesem Jahr eine Mischung aus Triumphen und Enttäuschungen. Während einige Produktionen das Publikum begeisterten, hatten andere Mühe, einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Über fünf Wochen hinweg prägten mutige Auftritte und ehrgeizige Projekte das Programm.
Milo Raus Republik der Götter dominierte den Festivalplan und lief über die gesamte Dauer. Er erklärte das Stück kühn zum „größten Drama aller Zeiten“ und feierte es als Weltpremiere. Später gab er jedoch zu, dass es vielleicht keine optimale Idee war, jedes religiöse Thema in ein einziges Festival zu pressen.
Zu den Highlights zählte Thorsten Lensings Tanzende Idioten, das durchweg begeisterte Reaktionen hervorrief. Ursina Lardis Darstellung einer todkranken Frau stach besonders hervor. Auch Patti Smiths Auftritte und Florentina Holzingers Pfingstspiel ernteten große Anerkennung.
Andere Werke hatten es schwerer. Nestervals Interpretation der Nibelungensage überzeugte nicht. Susanne Kennedys Parsifal litt unter Markus Selgs überwältigenden Digital-Effekten, die die Inszenierung statisch wirken ließen. Angélica Liddells Seppuku: Die Bestattung Mishimas oder die Lust am Sterben und Brigitta Muntendorfs Der Tag davor – ein scharfes Manifest gegen Gewalt – bildeten bemerkenswerte Ausnahmen. Gob Squads Turn bot eine interaktive Auseinandersetzung mit dem Doppelgänger-Motiv, garniert mit einem Running Gag über das Déjà-vu-Erlebnis.
Am Ende bot das Festival eine bunte Mischung aus unvergesslichen und schnell vergessenen Momenten. Einige Künstler:innen setzten mit kühnen Konzepten Maßstäbe, andere blieben hinter den Erwartungen zurück. Die unterschiedlichen Reaktionen zeigten einmal mehr, wie riskant – und lohnend – ambitionierte Programmgestaltung sein kann.






