Zuckerrüben in der Krise: Warum Bauern um ihre Ernte kämpfen
Deutsche Zuckerrübenbauern kämpfen mit fallenden Preisen, schrumpfenden Anbauflächen und neuen Schädlingsbedrohungen
In den vergangenen drei Jahren sind die Anbauflächen für Zuckerrüben um 15 bis 20 Prozent zurückgegangen, in einigen Regionen ging sogar ein Viertel der Ernte verloren. Angesichts sinkender Erlöse, wachsender Schädlings- und Krankheitsrisiken setzen Landwirte zunehmend auf moderne Pflanzenschutzlösungen, um ihre Erträge zu sichern und die Produktion wirtschaftlich zu halten.
Der Rückgang im Rübenanbau ist dramatisch: Wurden 2023 in Deutschland noch rund 38.000 Hektar Zuckerrüben angebaut, könnte die Fläche bis 2026 auf nur noch 30.000 bis 32.000 Hektar schrumpfen. Besonders betroffen sind Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg, wo die Anbauflächen um bis zu 25 Prozent kleiner geworden sind. Gründe für den Niedergang sind gesunkene EU-Preisgarantien, steigende Produktionskosten und die Konkurrenz durch zollfreie Importe im Rahmen des Mercosur-Handelsabkommens.
Zudem bedrohen resistente Unkräuter, Blattkrankheiten und das von der Zikade Hyalesthes obsoleta verbreitete "Niedrigzucker-Syndrom" die Erträge. Notfallzulassungen für bestimmte Pestizide brachten in den letzten Jahren zwar Entlastung, doch die Bauern fordern langfristige Lösungen. Neue Produkte wie das Herbizid Rinpode, das mit nur 2 Gramm pro Hektar auskommt, wirken gezielt gegen resistente Hirsearten und reduzieren den Chemikalieneinsatz. Erste Versuche zeigen, dass es die Erträge um 3 bis 7 Prozent steigern und den Zuckergehalt verbessern könnte.
Auch Biostimulanzien wie Kinsidro Grow gewinnen an Bedeutung. Die Südzucker AG hat das Mittel bereits in ihr Standardprogramm zur Bekämpfung der Rübenvergilbung (SBR) aufgenommen und setzt es in kritischen Wachstumsphasen ein. Auf dem Betrieb Metternich-Ratibor-Corvey KG kombiniert Betriebsleiter Marius Feldmann sowohl Rinpode als auch Kinsidro Grow , um die Wirtschaftlichkeit zu sichern. Ohne solche Innovationen, warnen viele Landwirte, könnte der Rübenanbau bald unwirtschaftlich werden – mit Folgen für die regionale Zuckerversorgung.
Falls sich die aktuelle Entwicklung fortsetzt, drohen dem deutschen Zuckerrübensektor 2026 weitere Einbrüche. Zwar helfen neue Pflanzenschutzmethoden den Bauern, sich anzupassen, doch schrumpfende Margen und Marktdruck bleiben bestehen. Ein Rückgang der heimischen Produktion könnte langfristig die Zucker-Lieferketten stören und Verarbeiter wie Verbraucher stärker von Importen abhängig machen.