17 March 2026, 12:22

Schwarzfahren bleibt Straftat – doch die Kritik an der Armutsstrafe wächst

Polizeiauto fährt auf einer Straße neben einer Menschenmenge, einige tragen Mützen, mit einem Geländer, Bäumen und Laternen im Hintergrund.

Schwarzfahren bleibt Straftat – doch die Kritik an der Armutsstrafe wächst

Schwarzfahren in deutschen Nahverkehrsmitteln bleibt nach einem 90 Jahre alten Gesetz eine Straftat. Wer ohne gültigen Fahrschein erwischt wird, muss mit Bußgeldern von 60 Euro rechnen – in Extremfällen droht sogar bis zu einem Jahr Haft. Nun fordern politische Parteien eine Reform, um sowohl Täter als auch die Justiz zu entlasten.

Das aktuelle Gesetz, das Schwarzfahren unter Strafe stellt, stammt aus dem Jahr 1935. Nach Paragraf 265a des Strafgesetzbuchs können Täter zu Haftstrafen von bis zu einem Jahr verurteilt werden, zusätzlich zu einkommensabhängigen Geldstrafen. Zwar enden die meisten Fälle mit einer Strafe von 60 Euro, doch wer diese nicht zahlen kann, landet oft hinter Gittern – eine Praxis, die Kritiker als "Armutsstrafe" bezeichnen.

Jährlich werden zwischen 7.000 und 9.000 Menschen wegen Schwarzfahrens inhaftiert, manche verbringen sogar Wochen im Gefängnis. Allein in Nordrhein-Westfalen kostet ein Hafttag die Steuerzahler 202,73 Euro – kurze Freiheitsstrafen sind damit eine teure Lösung. Die Initiative Freedom Fund hat fast 1.500 Menschen vor einer Inhaftierung bewahrt, indem sie deren Strafen übernahm, doch zwischen 2025 und November 2025 wurden über dieses Programm keine Entlassungen verzeichnet.

Die Linke und die Grünen haben nun separate Anträge eingereicht, um Schwarzfahren zu entkriminalisieren. Ihr Ziel ist es, unnötige Belastungen für Polizei und Gerichte abzubauen und eine veraltete sowie unverhältnismäßige Bestrafungspraxis zu reformieren.

Sollten die vorgeschlagenen Änderungen durchkommen, würde Schwarzfahren künftig nicht mehr mit Haftstrafen geahndet. Dadurch könnten Tausende jährlich vor Gefängnisaufenthalten bewahrt werden. Die Reform würde zudem Kosten für das Justizsystem und die Steuerzahler sparen.

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