Vonovia fordert radikale Reform der Mietpreisbremse – und kritisiert deren Folgen
Maria-Luise KensyVonovia-Chef fordert Reform der Mietpreisdeckel-Regelung - Vonovia fordert radikale Reform der Mietpreisbremse – und kritisiert deren Folgen
Deutschlands größter Wohnungsvermieter Vonovia fordert grundlegende Reform der Mietpreisbremse
Vonovia, Deutschlands größter Wohnungsanbieter, hat eine umfassende Überarbeitung der Mietpreisbremse gefordert. Unternehmenschef Rolf Buch kritisierte die aktuelle Regelung scharf: Sie schütze bedürftige Mieter nicht ausreichend und verschärfe gleichzeitig die Wohnungsnot. Seine Äußerungen fallen in eine Phase, in der das Unternehmen steigende Mieten und eine deutliche finanzielle Erholung im Jahr 2023 vermeldet.
Die 2015 eingeführte Mietpreisbremse soll in Ballungsräumen übermäßige Mietsteigerungen begrenzen. Demnach dürfen Vermieter bei Neuvermietungen höchstens zehn Prozent über dem ortsüblichen Vergleichsmietspiegel liegen. Doch Buch wirft dem System vor, den Markt zu verzerren: Langfristig triebe es die Mieten in die Höhe und reduziere das Angebot an verfügbarem Wohnraum.
Unter Buchs Führung wuchs Vonovia durch Großübernahmen – darunter Gagfah, Buwog und Deutsche Wohnen – zum größten Immobilienkonzern Deutschlands heran. In den ersten neun Monaten 2023 stiegen die durchschnittlichen Mieten des Unternehmens um 4,3 Prozent auf 8,28 Euro pro Quadratmeter – leicht über dem bundesweiten Durchschnitt von 8,11 Euro. Im gleichen Zeitraum kletterte der Nettogewinn auf rund 3,4 Milliarden Euro und drehte damit einen Verlust von 592 Millionen Euro aus dem Vorjahr in einen deutlichen Überschuss.
Ende 2023 wird Buch sein Amt abgeben; sein Nachfolger wird Luka Mucic, ehemaliger SAP-Manager und aktueller Vodafone-Finanzvorstand. Vor seinem Abschied appellierte Buch an die Politik, die Mietpreisbremse so umzugestalten, dass sie gezielt nur wirklich Bedürftige unterstützt. Ein ausgewogenes System mit fairen Mieten für die Mehrheit der Mieter und stärkerem Schutz für sozial Schwache würde den Druck auf dem Wohnungsmarkt verringern, so seine Argumentation.
Vonovias Forderung nach Reformen ist der vorläufige Höhepunkt einer jahrelangen Debatte über die Mietpreisbremse in Deutschland. Die finanzielle Wende des Konzerns und die steigenden Mieten verdeutlichen die anhaltende Spannung zwischen Bezahlbarkeit und Marktmechanismen. Mit dem anstehenden Führungswechsel könnte die Position des Wohnungsriesen künftige Diskussionen zur Wohnungspolitik maßgeblich prägen.






