Zwei Legenden der deutschen Kulturlandschaft sind tot – Wagner und Hilsberg
Stephen SchleichZwei Legenden der deutschen Kulturlandschaft sind tot – Wagner und Hilsberg
Zwei prägende Persönlichkeiten der deutschen Medien- und Kulturlandschaft sind kürzlich verstorben. Franz Josef Wagner, der langjährige Kolumnist der Bild, starb am 7. Oktober im Alter von 82 Jahren. Nur wenige Wochen zuvor verstarb Alfred Hilsberg, Hamburgs legendärer Underground-Impresario, mit 77 Jahren. Beide Männer hinterließen in ihren jeweiligen Welten unauslöschliche Spuren.
Franz Josef Wagner arbeitete fast sechs Jahrzehnte lang für den Axel-Springer-Verlag. 1966 eingetreten, stieg er im Haus auf und wurde vor allem durch seine Kolumne Post von Wagner bekannt. Sein letzter Beitrag, veröffentlicht am 7. September, richtete sich an den kurz zuvor heiliggesprochenen Carlo Acutis. Zeit seines Lebens blieb Wagner ein überzeugter Katholik, der betonte, nur Gott könne Wunder wirken.
Sein scharfer, oft provokanter Schreibstil machte ihn zu einer polarisierenden Figur. Zwar verfasste er im Hintergrund Texte für Prominente wie Franz Beckenbauer, Udo Jürgens oder Boris Becker, doch seine eigenen Kolumnen waren unverkennbar: eine Mischung aus Satire, konservativen Ansichten und einem Stil, der gleichermaßen Gelächter wie Empörung auslöste. Kollegen bei Springer beschrieben seine Arbeit als modus vivendi – eine Lebensweise, die perfekt zum Ton des Verlages passte.
Wagners Name wurde oft in einem Atemzug mit anderen deutschen Kulturikonen wie James Last oder Fips Asmussen genannt. Doch anders als diese mäßigte er nie seine rechtskonservative Haltung, selbst als sich die Medienlandschaft um ihn herum wandelte.
Alfred Hilsberg hingegen prägte ein ganz anderes Erbe. Als zentrale Figur der Hamburger Underground-Szene lehnte er gängige Laster wie Bier oder Haschisch ab. Stattdessen behauptete er scherzhaft, das Lesen der Bild – Wagners eigener Zeitung – sei das wahre "bewusstseinserweiternde Drug". Sein Einfluss reichte weit über die Medien hinaus und formte jahrzehntelang die alternative Kultur der Stadt.
Wagners Tod markiert das Ende einer Ära für die Bild und den deutschen Boulevardjournalismus. Seine Kolumnen, ob bewundert oder kritisiert, waren über Generationen hinweg eine Konstante für die Leserschaft. Auch Hilsbergs Ableben schließt ein Kapitel der Hamburger Gegenkultur. Beide Männer prägten auf ihre Weise die Diskurse ihrer Zeit.