"Bissig, gierig, erbarmungslos" – warum Fußballer auf drastische Worte schwören
Felicia Beyer"Bissig, gierig, erbarmungslos" – warum Fußballer auf drastische Worte schwören
Fußballtrainer und Spieler greifen oft zu drastischen Formulierungen, um ihre Spielphilosophie zu beschreiben. Begriffe wie erbarmungslos, gierig oder sogar ekelerregend sind in Mannschaftsansprachen und Nachspielinterviews längst zur Routine geworden. Doch was steckt wirklich hinter diesen Worten – und tragen sie tatsächlich zum Sieg bei?
Vor dem jüngsten Länderspiel Deutschlands gegen Nordirland forderte Bundestrainer Julian Nagelsmann von seinen Spielern "Gier und Biss". MittelfeldspielerJoshua Kimmichgriff diese Worte später auf und betonte, er sei "bissiger, zäher und erbarmungsloser"* denn je gewesen. Doch der Zusammenhang zwischen Emotionen und Leistung bleibt oft unklar.
Einige Mannschaften schwören auf diese Haltung. Der Aufstieg des Arminia Bielefeld wurde unter anderem darauf zurückgeführt, "deutlich bissiger" als die Gegner aufzutreten. Maximilian Philipp vom SC Freiburg hingegen wurde einst kritisiert, weil er im Training "nicht bissig genug" gewesen sei. Andere wiederum stellen infrage, ob eine solche Intensität überhaupt nötig ist. Erst kürzlich demontierte eine Mannschaft Bayer Leverkusen mit 7:0 – nicht durch "Biss", sondern durch Klasse und eiskalte Chancenverwertung.
Die Begrifflichkeiten selbst sind mitunter verwirrend. Trainer und Spieler diskutieren, ob eine Mannschaft "hungrig" oder "bissig" sein solle – medizinisch betrachtet ein Widerspruch, denn bittere Galle wird erst nach fettigem Essen produziert, also gerade nicht bei Hunger. Manche behaupten sogar, "ekelerregend" für den Gegner zu sein, sei ein Ehrenzeichen – eine Aussage, die genauso gut in einer philosophischen Vorlesung wie auf dem Platz fallen könnte. Schon Jean-Paul Sartres Roman "Der Ekel" (1938) setzte sich mit diesem Gefühl auseinander und bewies, dass der Begriff weit über den Sport hinausreicht.
Vorerst bleiben diese Ausdrücke fester Bestandteil des Fußballvokabulars. Trainer werden weiter "Biss" einfordern, Spieler sich als erbarmungslos präsentieren und Experten Mannschaften als hungrig oder ekelerregend bezeichnen. Ob sich diese Emotionen jedoch in Ergebnisse übersetzen, bleibt umstritten.






